Mittwoch, 3. Februar 2010

Lebensabschnittspartner

Ich möchte heute diskutieren und zwar über das Wort: Lebensabschnittspartner.
Also, ich für meinen Teil mag dieses Wort überhaupt nicht, ich finde es äusserst gruselig! Vielleicht liegt es daran, dass ich doch noch eine grössere romantische Ader besitze als ich annehme oder ich in dieser Beziehung altmodisch bin. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich meine Freunde nicht wechsle wie meine Unterhosen und nicht von einer Beziehung in die nächste schliddere. Dieses Wort ist für mich ein absolutes NO GO! Denn, wenn ich ja im Vorfeld schon weiss, dass dies nur ein Lebensabschnittspartner ist,/sein wird warum gehe ich die Beziehung überhaupt ein? Dann kann man ja gleich einer dieser Personen werden, die bei Facebook den Beziehungsstatus auf „in einer offenen Beziehung“ haben und dann während dieser Beziehung gleich nach etwas besserem, hübscheren, gescheiteren, reicheren oder was weiss ich Ausschau halten. Nicht? (Bei "in an open relationship kommen mir immer nur Geschlechtskrankheiten in den Sinn - weiss auch nicht warum.) Gehe ich aber eine Beziehung ein, dann ist das gut überlegt und Bauch und Kopf sagen: „Jaaaaaaaaaaaaaaaa – Yiiiiiiiippiiiiiieee!“ Sonst mache ich es nicht. Bettgeschichten warten an jeder Ecke – für das muss ich keine Beziehung eingehen und muss die auch nicht „Lebensabschnittspartner“ taufen!
Ist es denn sooooo naiv zu glauben, dass wenn ich frisch verliebt bin und den Schritt in eine Beziehung wage (und für mich ist das immer ein Wagnis), dass dies für immer ist? Oder tauft man die Lebensabschnittspartner erst im Nachhinein Lebensabschnittspartner? Dann hätte ich... wart mal... muss mal zählen... - zählen Partner von 2-Wochen-Beziehungen auch zu den Lebensabschnittspartnern? Ach, ist ja egal!
Es könnte aber auch sein, dass Leute, die ihre Partner so nennen, einfach nur Angst haben und es mit diesem Wort überspielen. Wenn sie dann verlassen werden, können sie sagen: „Ich habe ja immer gesagt, es ist nur ein Lebensabschnittspartner – next one please!“ Ob das aber die richtige Verarbeitung ist?
Zudem ist mir aufgefallen, dass wenn man Angst hat oder überfordert ist, gerade in Liebesdingen, oft dämliche Dinge sagt. So bekam ich vor Kurzem folgendes mit: Eine Freundin von mir bekam einen Anruf ihres Freundes. Die Beziehung lief nicht gerade super zu diesem Zeitpunkt und da er wahrscheinlich Verlustängste hatte sagte er am Telefon: „Ich liebe dich.“ Da im Vorfeld so viel passiert ist und sie diesen Satz schon sehr lange nicht mehr von ihm gehört hatte, war sie überfordert und antwortete mit: „Dito.“ Ich konnte nicht mehr vor Lachen! Ich war fassungslos! Ich fragte sie: „Und wenn er dich fragen würde, ob du ihn heiratest, antwortest du dann mit „oky doky“?“
Aber es ist natürlich nicht einfach, in solchen Situationen die richtige Antwort zu geben. Oft hat man ja nur ein paar Sekunden Zeit.
Wahrscheinlich ist das Wort „Lebensabschnittspartner“ für Menschen, die es nicht verarbeiten oder verkraften können, dass es schon wieder nicht geklappt hat. Ich hoffe, dass ich mich nie zu denen zählen muss!

Kommentare:

  1. Nun, eine ganz dumme These: Ist die Zeit zwischen 30 und 90, wenn man das zeitliche Segnet (gut, in meinem Falle und meinem Lebensstil eher zwischen 30 und 70), nicht auch ein Lebensabschnitt?

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  2. Und wie recht sie wiedermal hat.

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  3. Ist nicht unser ganzes Leben irgendwie ein Abschnitt? Da muss ich nicht noch 1000 weitere Abschnitte haben, das gehört ja dann alles zu mir... irgendwie...

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  4. Das ist die Frage, wie man das Leben sieht - gibts Reinkarnation, gehts irgendwie weiter? Aber du hast vom Gefühl her schon recht - LAP assoziiert eine im vorneherein bestimmte Trennung... ist aber eigentlich nicht die Natur des Wortes...

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  5. Ja möglich... ich weiss eh nicht ob ich an Reinkarnation glaube... Mich schaudert es einfach immer bei diesem Wort. LAP kann auch Lehrabschlussprüfung heissen und ist auch ein Abschnitt des Lebens!;-)

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  6. das stimmt, habe LAP auch nicht unbewusst gewählt :-) abgesehen davon bin ich auch kein fan des wortes - wenn überhaupt verwende ich es auch im nachhinein, und genau dort haben wir ja dann wieder den negativ-touch...

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  7. Naiv bist du nicht. Du gehörst nur vielleicht nicht zu den typischen Menschen dieser Zeit, deren Leben immer aufregend sein muss, die nie zur Ruhe kommen wollen, ja alles auskosten wollen und dabei bloß viel mehr Zeit verlieren, als jemand, der sich auf tiefere, intensivere Dinge einlässt, die nicht nur einen Augenschlag dauern.
    Ich bin seit ich 18 bin in einer Beziehung (jetzt bin ich 30) und habe keinen Bedarf an "tollen neuen Erfahrungen". Also gibt es das durchaus auch noch in der heutigen Zeit ;)

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  8. Das finde ich doch sehr, sehr schön zu hören und beruhigt mich ungemein! 30 und 18 Jahre in einer Beziehung! Rechnen... Krass und bewundernswert zu gleich! Gratulation:-)

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