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Freitag, 20. Januar 2012

Marina - von Carlos Ruiz Zafón



Viele, die Carlos Ruiz Zafón Bücher lesen, habe ich sagen gehört, dass er seinen ersten Weltbestseller „Der Schatten des Windes“ nie mehr erreicht hat und wahrscheinlich nie mehr erreichen wird. Dies ist ja auch ein grandioses Buch! Aber auch der letzte Roman „Das Spiel des Engels“ war ein Weltbestseller (den habe ich noch nicht gelesen, weil er zur Zeit als Ersatzfuss meiner Polstergarnitur dient) und auch „Marina“, den ich soeben zu Ende gelesen habe, sollte ein Weltbestseller werden meiner Meinung nach… und wird es wahrscheinlich auch.
Carlos Ruiz Zafón schafft es immer, spannende und auch mal gruslige Geschichten blumig, wunderschön, voller Ehre, Eleganz und Hochmut zu erzählen. Eine ganz komische Sache, was aber genau dazu führt, dass er so aus allen anderen Schriftstellern raussticht.
„Marina“ ist wahrscheinlich der bisher ekligste Roman von ihm. Ich würde sogar sagen, es ist ein „leichter“ Thriller. Da er aber so wunderschön erzählt wird mit einer schönen und einer weniger schönen Liebesgeschichte in Kombination, wird man zwar von der Spannung gepackt und möchte das Buch am Liebsten nicht mehr weglegen. Trotzdem ist es wegen der Art und Weise wie er schreibt doch noch möglich, ruhig und entspannt zu schlafen.

Die Geschichte spielt wieder einmal in Barcelona, wo Carlos Ruiz Zafón aufgewachsen ist. Óscar Drai trifft auf das besondere Mädchen Marina, die sein Leben für immer verändern wird. Mit ihrem Vater wohnt sie in einer alten Villa wie in einer vergangenen Zeit, als hätten sie da gestoppt, als das Leben noch schön war.
Marina bringt Õscar auf die Spur einer mysteriösen Dame in Schwarz und bald befinden sie sich mitten in einem Albtraum aus Trauer, Wut und Grössenwahn der alles Glück zu zerstören droht. Wenn es um die Unsterblichkeit geht, können Menschen ganz sicher sehr grössenwahnsinnig und böse werden.
Hier wird in unvergleichlicher Weise die dramatische Geschichte eine jungen Mannes erzählt, der um sein Glück und sein grosse Liebe kämpft. Gleichzeitig erzählt die Geschichte eine Liebe, die schon längst gescheitert ist und der ein Ende gesetzt werden MUSS.


S. Fischer Verlag
ISBN: 978-3-10-095401-5
349 Seiten

Mittwoch, 4. Januar 2012

Pötzlich Shakespeare - von David Safier



Aiaiaiaiai! Was für eine lustige und interessante Geschichte! Wenn Mann und Frau sich das Leben teilen, ist das ja manchmal schon schwierig genug. Aber wenn Mann und Frau sich auch noch ein und denselben Körper teilen müssen, dann ist das Chaos perfekt! Zwei sind dann definitiv einer zu viel.

Die Hauptfigur Rosa lässt sich hypnotisieren und wird so in ihr früheres Leben versetzt. Und sie war in ihrem früheren Leben niemand geringeres als William Shakespeare. Nun, der steckt gerade in einer brenzlichen Situation was es nicht gerade einfacher macht, dass wir das Jahr 1594 schreiben und alles ein bisschen anders ist. Vor der Hypnose hat Rosa die Aufgabe erhalten, dass sie herausfinden muss, was die wahre Liebe ist. Erst dann darf Rosa wieder zurück in die Gegenwart. Herauszufinden, was die wahre Liebe ist, ist aber auch in der Gegenwart nicht gerade einfach und dies wird nun noch erschwert durch die Tatsache, dass Sie im Körper von William Shakespeare steckt, dieser es auch nicht gerade lustig findet, dass eine Frau seinen Körper kontrolliert und dass in London im allgemeinen im 16. Jahrhundert nicht gerade Love & Peace angesagt war.

Auf jeden Fall ist das Hin und Her der beiden Welten sehr spannend und lustig und Rosa lernt zwar viel über Liebe und Freundschaft, aber das mit der wahren Liebe stellt sich als sehr schwierig heraus. Und während Rosa und William sich in ihrem gemeinsamen Körper versuchen zu arrangieren, sich hassen und verfluchen, entwickelt sich die merkwürdigste Lovestory der Weltgeschichte.

Sehr kurzweilig und sehr empfehlenswert! Auf so eine Idee muss man erst mal kommen!


rororo Verlag
ISBN 978-3-499-24812-2
314 Seiten

Freitag, 16. Dezember 2011

Small Country - von Nick Hornby



4 unterschiedliche Erzählungen von Nick Hornby sind in diesem Buch zu finden, in denen umwerfend sympathische und leicht naive Menschen in ziemlich blöde Situationen geraten und versuchen, das Beste daraus zu machen. Wenn man Zeit hat, schafft man diese 4 Stories locker in ein paar Stunden und verbringt so einen schönen, interessanten und spannenden Abend.

Die erste Story ist: NOT A STAR. Macht euch mal Gedanken wie es wäre ein Vater oder eine Mutter zu sein und ihr entdeckt, dass euer Sohn ein Porno Star ist. Oder stellt euch vor, ihr seid der Sohn und eure Eltern entdecken, dass ihr ein Porno Star seid... welche Rolle ist wohl schlimmer?

Die zweite Story trägt den Titel: SMALL COUNTRY. Wenn die Fussball National Elf nur aus 11 Spielern besteht und wenn auch nur ein Spieler ausfällt man keinen Ersatz Spieler hat und somit nicht an ein Spiel angetreten werden kann und ihr jeden in eurem Land kennt und eure Mutter Präsidentin des Landes ist - ja dan wohnt ihr genau da. Und irgendwie will einem die Story auch sagen, dass es beim Fussball auch Köpfchen braucht.

Die dritte Geschichte lautet: SONST PANDÄMONIUM. Pubertierender zieht mit seiner Mutter um und muss nun eine neue Schule besuchen. Da entscheidet sich in kurzer Zeit ziemlich viel. Und dann entdeckt man, dass sein Videorecorder und der Fernseher in die Zukunft spulen kann und man in den Nachrichten sehen kann, was mit der Welt passiert. Und dann geht es nur noch um eines: Schnell noch mals Sex haben, bevor alles endet!

Die vierte und letzte Story trägt den fantastischen Namen: NIPPLEJESUS. Da geht es um ein Jesus Bild, dass aus Nippel besteht. Und es geht darum was Kunst bewirken kann und was ein Künstler auslösen möchte und wie unterschiedlich man sie verstehen kann.

Nick Hornby schafft es wie immer, allen unterschiedlichen Personen wieder die richtige Sprache zu verleihen. Ich mag dieses kurze, kleine Buch!

Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04321-1
158 Seiten

Freitag, 9. Dezember 2011

Fast genial! - von Benedict Wells




„Ich hasse dieses Buch.“ – „Ich liebe dieses Buch.“ – „Ich hasse dieses Buch.“ – „Ich liebe dieses Buch!“

Man könnte auch sagen: Der Schriftsteller hasst mich oder er liebt mich oder er hasst mich?!

Über die Geschichte von Francis aus dem Trailerpark darf man hier gar nicht viel schreiben. Man darf einfach nicht zu viel verraten und das was man verraten darf, klingt vielleicht ein wenig unspektakulär – ihr müsst halt jetzt schon eure Fantasie walten lassen, dann ist es sogar seeeehr spektakulär!!!

Francis und seine Mutter leben allein in einem Wohnwagen und beide haben ihr Leben leider nicht so im Griff. Die Zukunft beider scheint wenig vielversprechend. Und dann erfährt Francis, dass er Teil eines Projektes war: Ein Retortenbaby aus der Samenbank der Genies. Ja, und ich meine, DAS ist ja echt krank! Auf jeden Fall begibt sich Francis dann mit seinen Freunden auf eine Reise mit vielen Höhen und Tiefen.

„Weiter kannst du gar nicht erzählen, denn das Buch hat kein Ende!“ – „Hat es doch!“ – „Hat es nicht!“ – Hat es doch!“
Okay Leute, seit dem Ende dieses Buches streiten sich meine Ichs ununterbrochen in meinem Kopf. Ich wurde ein kleines Stück schizophrener. Doch natürlich hat es ein Ende, sonst hätte ich es ja nicht zu Ende lesen können! Nur… Ich bin am Schluss der Geschichte buchstäblich ausgerastet! DAS KANN EINFACH NICHT WAHR SEIN! UNGLAUBLICH! Ich wurde wahrscheinlich wahnsinnig und es brauchte Tage, bis ich wieder einigermassen klar kam. Die Frage stellt sich nun: „Bin ich ausgerastet weil das Buch genial ist oder weil es FAST genial ist oder weil es schlecht ist?“

Aber sind wir mal ehrlich! Ich schreibe hier über ein Buch von Benedict Wells und jeder weiss, wie fantastisch ich ihn finde! Spinner habe ich in einem Zug durchgelesen und auch Becks letzter Sommer fand ich weltklasse!

Nun, „Fast genial!“ ist wieder ein Meisterwerk, aber sehr anders als die beiden Vorgänger. Natürlich schon alleine deswegen, weil die beiden Vorgänger in Deutschland spielten und der neue im September erschienene Roman eben in Amerika. Meiner Meinung nach wird mit vielen Klischees gearbeitet. Viele Szenen die ich zu lesen bekam, habe ich über Amerika schon gehört oder in Filmen und Soaps gesehen. Es war wie aus Bildern von Filmen geklaut und in einem Buch beschrieben. Jetzt war ich aber noch nie in Amerika und darum muss ich damit leben und darf nicht darüber urteilen. Vielleicht kann man einfach nicht anders und da Benedict Wells ja vor dem Buch eine Reise nach Amerika gemacht hat, muss ich ihm glauben und vertrauen.

Wahrscheinlich ist das Buch genial, wenn es in meinem Kopf alleine für so viel Gesprächsstoff sorgt und auch über die Hauptgeschichte an sich kann man mit Freunden und Bekannten hitzig diskutieren. Somit kann ich nur eines machen: Eine grooooooooooosse Empfehlung aussprechen, das Buch zu lesen. Jetzt ist die richtige Zeit dafür: Kaltes und gruseliges Wetter draussen, macht mehr Lust auf Kuscheldecke, Tee und ein gutes oder eben geniales Buch drinnen!


Erschienen im Diogenes Verlag
ISBN: 978-3-257-06789-7
322 Seiten

Donnerstag, 17. November 2011

Mein fahler Freund - von Isaac Marion


Ich hab ihn gelesen, den ersten Zombie-Liebesroman!

Die Welt ist am Arsch und die überlebenden Menschen haben sich alle in ein übergrosses Stadion verfrachtet und dort eine 2. kleine Welt aufgebaut. Das Spielfeld wird bepflanzt mit Getreide, Kinder gehen nicht in die Schule um rechnen und schreiben zu lernen, sondern um zu lernen, wie man Zombies tötet, Blumen gibt es nicht und auch sonst scheint alles verloren und es ist nicht so klar, für was man eigentlich noch weitermacht und weiterkämpft.

Zwischendurch müssen die Menschen aus dem Stadion raus, um an Vorräte zu kommen oder Gebiete einzunehmen und manchmal muss man dann auch Zombies töten. Aber wehe wenn die Zombies dann gerade sehr hungrig sind! Dann kann es sein, dass es da dann sehr… blutig zu und her geht. Im Buch wird alles sehr detailliert beschrieben, ja fast gezeichnet und ausgemalt, so wie in einem richtigen Horrorfilm, was mich zu Beginn schon ein bisschen wunderte, einschüchterte, überraschte und zu gleich belustigte.
Da man nicht von Anfang an genau in Kenntnis gesetzt wird, was mit der Welt geschah und wieso es Zombies gibt, wird auch sofort eine Spannung aufgebaut. Der Roman ist nicht ganz einfach zu lesen, da der Schriftsteller oft in Gedanken diverser Darsteller rumhüpft und von Szene zu Szene switcht. Doch das macht es auch sehr interessant.

Auf jeden Fall fängt sich plötzlich alles an zu ändern weil da so was wie Liebe entsteht zwischen einem Toten und einer Lebenden. Und trotz des düsteren Themas, passieren da einige lustige Dinge. Zombies können zum Beispiel nicht fliessend sprechen, lesen können Sie auch nicht (wenn sie Hirn essen, ist dies aber dafür wie ein Buch für sie) und wenn man sich dann vorstellt, dass ein Zombie-Mann mit einer wilden, vorlauten und intelligenten jungen Frau zusammentrifft, dann kann das schon ganz schön witzig werden. Stellt euch mal vor, ihr wüsstet nicht mehr, wie man pinkelt!

Ich will nun aber gar nicht viel mehr verraten.

Meiner Meinung nach, kann man in diesem Buch auch viel zwischen den Zeilen lesen. Vielleicht sind wir schon auf dem Weg und machen unsere Erde kaputt (ich bin mir dessen fast sicher) und vielleicht sind einige von uns auch bereits lebende Tote (auch hier bin ich mir ziemlich sicher) mit dem einzigen Unterschied, dass sie noch keine Menschen verspreisen und vielleicht ist es aber noch nicht zu spät und man kann diese Zombies mit etwas Besonderem noch wachrütteln.

Auch hat sich mir eine Frage aufgetan: Wird man ein Zombie, wenn man zu viel macht, für die Gemeinschaft arbeitet und wie eine Maschine funktioniert oder wird man ein Zombie, wenn man gar nichts macht und an nichts Interesse zeigt? Oder sind am Ende beides Zombies und man kann nur überleben, wenn man das richtige Mittelmass findet? Hmm…

Sonntag, 14. August 2011

Der gute Herr Jesus und der Schurke Christus - von Philip Pullman



"Dies ist keine frohe Botschaft!" So lautet es auf dem Klappentext. Ist es auch nicht, aber das habe ich beim Kauf dieses Buches auch nicht anders erwartet.
Die Geschichte von Jesus wird hier einfach und in einer Kurzfassung erzählt - ein Teil der Bibel im Schnelldurchlauf.
Jesus hat einen Zwillingsbruder namens Christus. Und so unterschiedlich wie nur Geschwister sein können, sind auch diese zwei. Jesus ist ein verträumter Visionär, der überall die frohe Botschaft vom Reich Gottes verkündet, das bald kommen wird. Der Leute heilt und zu allen spricht. Christus hingegen ist ein gerissenes Organisationstalent, der die Ideen seines Bruders umsetzt (im Klartext: klaut) und so den Grundstein für das korrupte System Kirche legt - und so entsteht eine provokante Auslegung des Evangeliums - ganz nach meinem Geschmack. Meiner Meinung nach hätte da noch ein bisschen mehr Tacheles geredet werden können, aber so würde das Buch vielleicht nicht zum Nachdenken anregen und seinen Charme verlieren und es wäre wieder eines dieser rechthaberischen und meinungsaufdrängenden Bücher geworden. Das ist es aber nicht... es erzählt einfach.
Pullamn ist ein meisterhafter Erzähler - da sind sich Gläubige und Atheisten einig. Und wäre es überspitzt, wäre das vielleicht nicht so und der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams würde nicht folgendes über dieses Buch sagen: "Dieses schöne und scharfsinnige Buch wird auch die bewegen, die nicht damit einverstanden sind!"

Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3-10-059031-2
230 Seiten

Montag, 20. Juni 2011

Ein perfekter Freund - von Martin Suter



Bevor ich meine letzten paar Bücher in die Umzugskisten stecke, möchte ich euch noch das zuletzt gelesene Buch vorstellen.
Stellt euch vor, ihr erwacht im Krankenhaus und könnt euch nicht an die letzten 50 Tage erinnern. Ihr habt aber eine Kopfverletzung, eine neue Freundin, dessen Namen ihr nicht kennt und eure scheinbar Ex-Freundin, die ihr immer noch liebt, spricht nicht mehr mit euch. Zudem ist euer bester Freund irgendwie komisch und jeder hält euch für ein Arsch. Ach ja, und den Job habt ihr komischerweise auch gekündigt und alle eure Passwörter und Codes geändert, obwohl ihr vorher fast 20 Jahre die gleichen verwendet habt. Blöd? Ja, kann man wohl sagen. Und im ersten Moment wohl mehr als beängstigend!
Aber wenn man Fabio Rossi heisst und Journalist ist, dann geht man dem auf den Grund und geht jeder Spur nach. Und wenn man ein guter Journalist ist, findet man dann auch ganz schnell das eine oder andere heraus.
Martin Suter schafft es, einen unkompliziert und schnell zu fesseln. Schritt für Schritt führt er einen durch die Geschichte mit einem klaren roten Faden, ohne Schnickschnack und mit der Fähigkeit exzellente Figuren zu zeichnen, sollten sie auch noch so eine kleine Nebenrolle haben.
Immer wenn ich Martin Suter Bücher in der Hand halte, das Cover betrachte und den Klappentext lese denke ich, ob ich das wirklich lesen soll und ob das wirklich spannend oder gut sein kann. Und dann beginne ich zu lesen und bin jedesmal begeistert!

Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-23378-0
337 Seiten

Mittwoch, 9. März 2011

Die Ausgeschlossenen - von Heinz Bude



Sagt man dem Sachbuch? Hier wird ganz klar und treffend die Realität beschrieben. Wie der Untertitel schon sagt: "Das Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft".

Immer mehr Menschen sind vom Wohlstand ausgeschlossen. Immer mehr Lebensläufe, die man für solide gehalten hat, geraten ins Schlingern. Es trifft Aushilfskräfte genauso wie hochqualifizierte Wissenschaftler. Und in der heutigen Zeit braucht es sooooo unglaublich wenig, dass man plötzlich zu den Ausgeschlossenen gehört. Das führt zu einer gespaltenen Gesellschaft und so vieles kann die Ursache sein, dass man plötzlich im Abseits steht: Ein Verlust, ein Schicksalsschlag, zur falschen Zeit am falschen Ort geboren, Kinder haben, keine Kinder haben, alleinerziehend sein, allein zu sein, Ausländer zu sein, der Fall einer Mauer, die Biographie eines Menschen, der Charakter eines Menschen, das Elternhaus, ja sogar die Geschichte eines ganzen Landes. Eigentlich muss dein Leben nur negativ mit dem Finger schnippen und du bist am Arsch. Okay, ganz so hässlich ist es natürlich nicht. Das Umfeld, Freunde, Familie und der eigene Kampfgeist spielen da dann auch noch eine grosse Rolle. Doch was, wenn einem das Leben schon so oft ans Bein gepinkelt hat und man einfach nicht mehr kann und kein Glück in Sichtweite?
Das Buch von Heinz Bude, das diverse Geschichten erzählt und wie verschiedene Charakteren mit bestimmten Erlebnissen und Situationen umgehen, ist vor allem auf Deutschland bezogen. Und ja, bei uns in der Schweiz ist 1989 keine Mauer gefallen und wir haben auch kein Hartz 4 und keine 1-Euro-Jobs. Trotzdem kann man auch mit unserer kleinen Schweiz viele Vergleiche ziehen und auch wenn es bei uns noch nicht so schlimm ist, müssen wir anfangen, darüber zu diskutieren und uns die Frage stellen, wie wir überhaupt zukünftig leben wollen. Zudem müssen wir darüber nachdenken, ob wir uns wirklich für eine Seite entscheiden müssen - ob wir ausgrenzen oder ausgegrenzt werden. (Damit habe ich ja persönlich schon lange ein Problem.)
Nein, das Buch ist nicht einfach zu lesen. Ich, als nicht studierte Person musste ganz schön bei der Sache bleiben und habe viele (Fremd)-Wörter nicht verstanden. Am Ende des Buches war mir fast ein bisschen schlecht. Natürlich auch, weil in diesem Buch nicht wirklich eine Lösung steht, weil es (noch) keine Lösung gibt und die Politik solche Schicksale von ausgegrenzten Menschen in Kauf nimmt. Das Buch ist eine Faust in die Fresse! Nein, es geht nicht runter wie Butter, aber es liegt einem ganz schön schwer im Magen. Heinz Bude rüttelt einem aus dem Traum einer gerechten Gesellschaft und das nervt ganz schön... Trotzdem: Manchmal müssen wir uns mit unangenehmen Dingen konfrontieren - die Zeit ist schon längst da - kaufen und lesen!

Kapitel:

Das gespaltene Ganze
Die Politik der Zahlen
Anti-Ghettos
Alleinerziehende Mütter
Verwilderte Jungmänner
Bildungsdefizite
Körpermale
Ansteckungsängste
Die wirkliche Kultur der Unterschicht
Die Armen von morgen

Erschienen im dtv Verlag
ISBN 978-3-423-34599-6
140 Seiten

Montag, 14. Februar 2011

Getting lost is part of the journey - von Steve Blame


"Hi, Steve Blame here with MTV News"! Dieser Satz hat sich auch in mein Hirn gebrannt, auch wenn ich zu der Zeit wahrscheinlich noch so gut wie kein Wort Englisch verstand.
Aus dieser Zeit sind mir 2 Typen geblieben: Ray Cokes und Steve Blame, von dem ich eben dieses Buch gelesen habe.
Hauptsächlich geht es um das turbulente Leben von Steve Blame, seine Kindheit, sein Werdegang und um die Anfänge bei MTV Europe. Wie es war in den 80ern ein schwuler Moderator zu sein und wie es war, an einem kreativen Frensehprogramm mitzuwirken. Eine kleine Dokumentation über einen Musiksender, der nun keiner mehr ist.. irgendwie. MTV zeigte nicht nur Videoclips (und ich würde mir von Herzen wünschen, dass dieser Sender dies heute noch machen würde!!!), nein, MTV sprach Themen wie Aids, Drogen, Sexualität, Jugendproblem, Politik für Jugendliche und vieles mehr an. Und vielleicht wäre MTV noch MTV, wenn sie einige dieser Projekte beibehalten hätten.

Steve Blame erzählt offen von Höhen und Tiefen in seinem Leben. Von Drogen, wilden Parties und seinen Liebhabern und gleichzeitig von der Liebe zu seiner damaligen Arbeit, die Konzentration, die er dafür aufbrachte und von neuen Projekten.
Das Buch ist eine Reise mit Steve Blame... sehr cool aufgebaut: Während er schreibt und aus der Vergangenheit erzählt, sich dabei unglaublich verliert und dann während des Schreibens sich selbst wiederfindet - und er lässt uns daran teilhaben. Zum Beispiel wie er zu VIVA 2 wechselt, wie er da scheitert, weil er eigentlich nur wegen seines Namens eingestellt wurde.. benutzt, gebraucht und gefeuert.
Steve Blame hatte alles, lebte dort, wo die Träume der Stars und die Träume der Fans sich trafen - im Musikfernsehen. Er war Teil der Popkultur, Teil eines Hypes, er war Mr. MTV News.
Natürlich erzählt er auch über Treffen mit Stars wie Madonna, Tina Turner oder Boy George oder über Politiker wie zum Beispiel Gorbatschow oder über das Treffen mit dem Dalai Lama.
Obwohl ich nicht verstehe, dass jede auch ach so prominente Person ein Buch über sich schreiben muss, hat mich dieses Buch gefesselt. Der Grund? Musik... das Leben in den 80ern in unterschiedlichen Städten, die Politik und die Themen, Probleme und das Leben in dieser Zeit.

Die negativen Seiten an diesem Buch sind, so finde ich, dass Steve Blame über Drogen schreibt, als wären sie nicht gefährlich und als könnte man sie einfach an- und abschalten. Der Punkt wird mir viel zu lasch und zu einfach beschrieben... zu lustig, zu unbeschwert. Wer mich kennt weiss, dass ich damit so meine lieben Probleme habe. Darum müsste es auf diesem Buch eigentlich eine FSK-Beschränkung haben.;-) Noch ein Problem habe ich damit, dass es hier auch um einen Musiksender in England in den 80ern geht und Depeche Mode mit KEINEM Wort erwähnt wird! Das geht ja wohl überhaupt nicht!;-) Und dann hätten noch einige Bilder aus dieser Zeit von Steve Blame, mit Stars und ohne, nicht schaden können.

Aber im Ernst: Ich empfehle dieses Buch jedem, der an Musik und ihrer Geschichte interessiert ist und auch gerne mal, auch wenn mit schwerem Herzen, zurückschaut. So wie ich...

Das Musikfernsehen ist schon lange nicht mehr, was es einmal war. Und Steve Blame? Auch nicht. Ein Buch das einem lehrt, dass man sich manchmal erst verlieren muss, um sich selbst zu finden.

Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3-7857-6039-0
379 Seiten

Montag, 10. Januar 2011

Hello Kitty muss sterben - von Angela S. Choi


Hält man dieses Buch in den Händen, ob in der Bahn oder auf einer Parkbank, fällt man ohne es zu wollen auf. Es ist soooo was von pink, dass einem die Augen schmerzen!
Und es ist mörderisch gut! Eine dreiste, schnelle, rotzige Story über verlogene Moral, die Perversion des American Dream und den Verniedlichungskitsch in unseren Kinderzimmern. Was uns zu Hello Kittys = It-Girls und ja auch It-Boys machen soll.

Fiona Yu ist eine hochintelligente junge Frau und eine unterforderte Spitzenjuristin. Und wenn man in Amerika aufwächst, aber in einer freundlichen, doch sehr traditionellen chinesischen Familie gross geworden ist, darf man auch ruhig ein bisschen verwirrt sein. Und das ist Fiona auch! Fiona will nicht länger die "Hello-Kitty-Rolle" spielen, die ihre Eltern von ihr erwarten: Stumm sein, quasi keine eigene Meinung zu haben und einen chinesischen Mann zu heiraten.
Beiläufig erfährt man auch, dass ein neues Jungfernhäutchen etwa genau so viel kostet wie eine Channel-Handtasche. Nur was ist wichtiger, wertvoller?
Erst als Fiona einen alten Schulfreund wieder findet, der aus einem ziemlich zerrütteten Elternhaus stammt und von einer Hello-Kitty-Mutter grossgezogen wurde und der sich vom Aussenseiter zum einem eleganten Serienkiller gemausert hat, nimmt ihr Leben richtig Fahrt auf.
Gemeinsam erleben sie eine rasante Zeit jenseits der gängigen Klischees von Leidenschaft und Sex. Dass eine gehörige Zahl von Menschen für diese Vision mit dem Leben bezahlen, ist es ihnen wert...

Obwohl hier eine Frau rosa sieht und das Buch so was von pink ist, kann man es ruhig auch Männern empfehlen. (Wenn man das in der Öffentlichkeit nicht zeigen will, kann man es ja auch in Zeitungspapier einwickeln.)
Das Buch liest sich in einem Zug und auch wenn ich It-Girls und -Boys nicht besonders mag, muss man ja nicht gleich alle umlegen. Man braucht ja schliesslich auch als Aussenseiter was zu lästern!:-) In diesem Sinne: Viel Spass beim Lesen!


Erschienen im Luchterhand Verlag
ISBN 978-3-630-87339-8
282 Seiten

Samstag, 16. Oktober 2010

Juliet, Naked - von Nick Hornby


Ich mag Nick Hornby - schon immer und fühle mich auch nach dieser Geschichte extrem gut unterhalten!

Stellt euch mal vor:
Du schreibst auf einer obskuren Website eine Kritik über das neue Album eines Musikers, der sich seit zwanzig Jahren zurückgezogen hat, den du aber nie losgelassen hast und mit dem du dich dein halbes Leben lang befasst hast. (Zum Beispiel Freddie Mercury - gut der lebt nicht mehr und war homosexuell... oder Kurt Cobain... gut... auch tot, aber stellt euch das nun einfach mal vor.)
Bewusster Musiker liest den Text, meldet sich, kommt zu Besuch. (Also z. Bsp. von Amerika in die Schweiz... in ein Kaff.) Er ist sehr attraktiv und scheint dich attraktiv zu finden, und du schläfst mit ihm. (Die männlichen Leser können da natürlich auch eine Musikerin einsetzen, haha.)
Kann man da von Unglück sprechen? Gut, man muss vielleicht betrachten, dass es ein amerikanischer Musiker ist, der ein zu Hause und einen Sohn in Amerika hat. Dann ist es vielleicht Pech, wenn man sich dann in diesen Musiker verliebt.
Aber wenn man im Leben nie etwas riskiert hat, kennt man Reue nicht, denn nichts zu wagen ist die beste Versicherung gegen Reue. Nein... das ist Unsinn, weil nämlich genau das Gegenteil der Fall ist. Oft bereut man Dinge, die man nicht gemacht oder gesagt hat... ach... man kann es drehen und wenden wie man will.
Es geschieht viel und doch nichts in diesem Buch. Da geht es um Kinder und Ex-Frauen die auf der ganzen Welt zerstreut sind. Um die Frage, ob man ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn ein Kind gut bei einem unleiblichen Vater aufwächst und man sich nicht darum kümmert.
Um Fans, die manchmal unvorstellbare Sachen machen, um näher an ihren Stars zu sein oder mehr über sie zu erfahren. Um Fans, die sich nach 20 Jahren fragen müssen, ob sie die Musik, die sie so lange gehört haben, auch wirklich richtig verstanden und gedeutet haben.
Um verschwendetes Leben, verlorene Liebe und Zeit. Ein Buch über Musik und Liebe - also ein super Buch für Sophie!

So gut wie ich mich auch immer von Nick Hornby unterhalten fühle, bin ich eigentlich fast bei jedem Buch unzufrieden mit dem Ende. Wo bleibt Teil 2 oder bin ich einfach zu neugierig und habe keine Fantasie???

Erschienen im Kiwi Verlag
ISBN 978-3-462-04245-0

Dienstag, 14. September 2010

Die Leiden einer jungen Kassiererin - von Anna Sam


Eigentlich heissen Kassiererinnen heute Servicemitarbeiterin Kasse. Die männliche Form gibt es laut Buch selten bis nie. Ist mir auch schon aufgefallen, dass ich nur sehr selten von einem Mann an der Kasse bedient werde.
Dieses Buch sollte jeder lesen müssen. Am Besten schon während der Schulzeit. Es ist auch sehr einfach und verständlich geschrieben, so dass man es ruhig schon sehr früh in der Schule einsetzen könnte. (Und dies ist auf keinen Fall negativ zu werten!!!)
Anna Sam erzählt von ihrer Tätigkeit als Kassiererin während acht Jahren, in denen sie ihren Lebensunterhalt für ihr Studium (Literatur) verdienen musste.
In einer lässigen Sprache, oft ironisch berichtet und beschreibt sie Situationen, Szenen und Menschen aus der Welt der Supermärkte - verschiedene Charakteren die Kondome kaufen, WC-Papier und solche die nach Aktionen jagen. Diese Beobachtungen bringen einem oft zum Lachen, manchmal aber auch fast zum Weinen und einige schockieren so dermassen, dass man sie kaum glauben möchte! Anna Sam's scharfe Beobachtungsgabe wiederspiegelt im Kleinen, was ich an unserer Gesellschaft schon lange nicht mehr mag: Keine Zeit, keine Geduld, kein Verständnis, kein freundliches Wort, Unaufmerksamkeit, Ignoranz und zum Teil grosse Dummheit. Ich arbeite ja auch im Kundendienst, nur selten von Angesicht zu Angesicht... zum Glück.
Wer dieses Buch gelesen hat, ändert hoffentlich seine Einstellung als Kunde, vielleicht sogar sein Leben. Lächeln und grüssen kostet nämlich nichts.

Erschienen im Goldmann Verlag
ISBN: 978-3-442-15623-8 / 169 Seiten

Montag, 30. August 2010

Kanacken Ghandi - von Osman Engin


Hmmm... also, eigentlich steht da auf dem Einband: Ablachen und nachdenken und weiterempfehlen…

Ich musste aber wenn es hoch kommt ganz selten mal schmunzeln. Wirklich lustig finde ich es nicht. Es ist alles sehr übertrieben dargestellt. Eigentlich steh ich auf Sarkasmus und Zynismus, aber hier gerade irgendwie nicht. Trifft nicht meinen Geschmack. Oder nicht meinen Humor?

Es geht darum, dass ein Türke, der schon 30 Jahre in Deutschland lebt und arbeitet, auf einmal als Asylbewerber gilt und ausgeschafft werden soll. Osman hat aber überhaupt nie Asyl beantragt und ist nicht als Asylant nach Deutschland gekommen sondern als Gastarbeiter. Also muss da irgendwie ein Fehler unterlaufen sein.

Bei den Behörden stösst er auf kein Gehör, seine Arbeit verliert er auch und sowieso ist die ganze Woche nur Kacke am dampfen. Also, wer dieses Buch liest weiss danach wirklich was es heisst, eine beschissene Woche gehabt zu haben.

Osman versucht auf legale Art und Weise wieder aus diesem Schlamassel rauszukommen, versucht es auch mit Menschen, die sagen, sie können ihm helfen und er versuchte es auch auf illegale Weise. Aber irgendwie bringt alles nichts.

Wie bereits geschrieben ist alles sehr übertrieben dargestellt. Hoffe ich zumindest, und als es dann um die Folterung von Asylanten geht und obwohl der Schriftsteller auch die Folterungen und Osman’s Reaktion darauf komisch darstellen möchte, gelingt ihm das meiner Meinung nach nicht. Ich weiss nicht, was für Menschen darüber lachen können. Vielleicht verstehe ich aber auch das ganze Buch nicht. Für mich könnten diese Szenen aus eine Thriller sein - vielleicht liegt das aber auch einfach an meiner Phantasie.

Ganz sicher bin ich mir aber, dass dieses Buch nur von einem Türken geschrieben werden durfte. Hätte das ein Deutscher geschrieben wäre es schon alleine wegen dem Titel in Verruf gekommen.

Auch das Ende ist eher… blöd. Naja, weiterempfehle kann ich es wohl nach diesem Text nicht wirklich, oder?

Erschienen im dtv Verlag
ISBN: 978-3-423-20476-7 / 286 Seiten

Montag, 28. Juni 2010

Dandy in der Unterwelt - von Sebastian Horsley


Zu Beginn dachte ich: „Wow! Eine neue Bibel!“ Doch Fakt ist, dass ich schon Ewigkeiten nicht mehr soooo unglaublich lange an einem Buch hatte wie an diesem (gut, würde ich die originale Bibel lesen hätte ich wahrscheinlich noch viel, viel länger). Und so ist auch meine Stimmung nach dem Buch, einerseits begeistert, andererseits gelangweilt. Es ist eine freakige Biographie über unseren Dandy Sebastain Horsley. Eine Person, die um alles in der Welt versucht anders zu sein und auch bereits von Natur aus anders ist. Seine Versuche, ein anderer zu werden, ein Künstler, sind von epischer Qualität. Er kämpft mit den Hindernissen wenn man anders ist, aber eigentlich scheisst er darauf, denn sein Selbstbewusstsein könnte wohl grösser nicht sein. Die ganze Welt dreht sich seiner Meinung nach um ihn und alles andere ist ihm egal. Dekadent und verschwenderisch geht er durch sein Leben. Horsley vereint Extreme, wie wahrscheinlich nur er es tun kann, spannend, bezaubernd und auf bizarre Weise irritierend. Geschmack, Stil, Aussehen und Ansehen zählen mehr als irgendetwas sonst. Und sein Mut, die dunkelsten Wahrheiten so ehrlich in einem lässigen Ton zu erzählen verdient Ansehen. Das Buch und Horsley selbst sind für mich auch der Beweis, dass wenn eine Kindheit eher komisch verläuft, nicht ganz so behütet, es im Erwachsenenalter eher schwierig ist "normal" zu sein oder zu wirken.

Doch das ganze verliert an Respekt, wenn man realisiert, dass er dieses Leben vor allem zu Beginn wie es scheint, nur so leben kann, weil er nicht gerade aus armen Verhältnissen stammt. Noch mehr Respekt verliert er dadurch, dass er sich und seine Welt mit harten Drogen zudröhnt. Für die einen verdient dies vielleicht Respekt, dass jemand jahrelanges Crackrauchen überlebt, ich bin aber nicht dieser Meinung. Mir beweist dies ein gewisses Weicheierverhalten, da es für ihn nicht möglich war, nüchtern durch sein Leben zu gehen. Für mich verdient nur der Respekt, der es schafft damit aufzuhören. (Gut, hat er ja dann auch, dann wieder nicht und dann eben schon...). Trotzdem ist mir das Buch zu sehr pro Drogen. Auch die Einstellung gegenüber Tieren (Pelze tragen) und Frauen kann ich überhaupt nicht teilen. Gut, beim Thema Frau in diesem Buch müsste man vielleicht ein Mann sein um dies besser zu verstehen.

Vor allem die erste Hälfte des Buches gibt für spezielle Charakteren ein paar sehr gute Slogans und Weisheiten ab. Teilweise ist das Buch so obszön, dass man sich schon schuldig fühlt, wen man’s nur liest. Es ist komisch und aufrichtig und zugleich ziemlich düster. Doch in der zweiten Hälfte lässt dies, so finde ich, sehr stark nach. Vor allem wenn man 2-3 Seiten darüber lesen muss, in welchen Farben und Stoffen er sich Anzüge schneidern lassen hat. Es ist schon so, dass seine Bekleidung eine sehr wichtige Rolle spielt und wahrscheinlich ist das auch das Grösste an ihm. Trotzdem sind solche Seiten eher einschläfernd und für mich uninteressant. Vielleicht verstehe ich den Dandy auch einfach nicht.

In den letzten 2-3 Kapiteln wird das Buch für mich dann wieder spannender und auch da habe ich dann wieder ein paar Weisheiten gefunden. Zudem macht er da wieder mal was anderes als nur ficken und Drogen nehmen: Er versucht sich auf eine seeeeeeeeeeehr krasse Art und Weise selbst zu finden. Naja, so sicher, warum er das schlussendlich gemacht hat, ist er sich dann doch nicht. Ich will aber nicht zu viel verraten, denn lesenswert ist das Buch auf jeden Fall, obwohl wahrscheinlich 250 Seiten genügt hätten.

Erschienen im Blumenbar Verlag
ISBN: 978-3-936738-43-8, 424 Seiten

Donnerstag, 4. Februar 2010

Liebe ist ein hormonell bedingter Zustand - von Jakob Hein


Es ist ein Teil der Geschichte. Pubertät in der DDR. Eine Geschichte die mit einem Tanz anfängt und mit einem Tanz, lange nach dem Fall der Mauer, aufhört.
Sascha ist jung, intelligent und dummerweise in der Pubertät und er lebt in der DDR. Sascha macht alles für die Mädchen die er liebt. Er nimmt ihnen Kassetten auf, am Besten mit schwer zu bekommender West-Musik, er mach ihnen die Hausaufgaben, er versucht sich mit West-Klamotten zu kleiden, was leider nicht immer so funktioniert, wie er sich das vorgestellt hat, er fährt Umwege für seine Liebsten, hört ihnen zu, gibt ihnen Tipps und versucht mit Blumen zu punkten - kurz gesagt: Er ist ein verdammt lieber Kerl.
Meistens ist es aber so: Sascha liebt Sarah, nur Sarah liebt Dose und Dose liebt Dose. Später ist es dann so: Sarah liebt Dose, Dose liebt Sarah, nur Sascha liebt immer noch Sarah. Und die Namen Sarah und Dose sind durch beliebige Namen austauschbar.
Sascha ist umgeben von Freunden: Alle cooler, besser und schöner - so denkt er. Wer kennt das nicht wenn man 14/15 Jahre alt ist und zu den 18 - 20 jährigen aufschaut. Doch kommt man dann in dieses Alter merkt man, dass diese Typen überhaupt nicht so cool waren/sind wie man immer gemeint hat. Man merkt, wie uncool oder gescheitert die eigentlich sind.
Doch Sascha versucht zu sein wie sie und nimmt sich dabei immer schwer zurück. Für alle Mädchen ist er die beste Freundin mit Penis. Er hat tausend Freundinnen, aber keine einzige Freundin, wenn ihr versteht was ich meine.
Doch der Zeitpunkt kommt, an dem Sascha merkt, was er will und wer er ist.
Eine tragischkomische Geschichte eines Unbeirrbaren. Sascha liebt die Frauen. Wenn sie ihn doch nur zurücklieben würden. Meine Meinung: Herrlich, dieses Buch!

Erschienen im Piper Verlag, 170 Seiten
ISBN: 978-3-492-05359-4

Montag, 1. Februar 2010

Mieses Karma - von David Safier

Aiaiaiiiiiiiiiiii! Wie habe ich beim Lesen dieses Buches gelacht! Wie kommt dieser Herr Safier auch immer auf solche Ideen!?! Mieses Karma ist superwitzig und schräg, gespickt mit kuriosen Einfällen. Eine irre Idee!
Die Hauptfigur ist Kim Lange, eine Moderatorin, der nichts wichtiger ist als ihre Karriere und der Deutsche Fernsehpreis. Leider kommt sie - ja ich würde sagen - auf witzige Weise ums Leben.
Im Jenseits erfährt Kim, dass sie in ihrem Leben viel mieses Karma gesammelt hat. Natürlich muss sie dafür böse bezahlen und Buddha hat auch nicht viel mehr für sie übrig als Glückskekssprüche! Sie findet sich in einem Erdloch wieder, mit sechs Beinen, Fühlern und einem wirklich dicken Po: Sie ist eine Ameise! Doch Kim hat keine Lust, eine Ameise zu bleiben und sie kann es auch nicht zulassen, dass ihr Mann sich mit einer Neuen tröstet. Sie kämpft tapfer um gutes Karma, damit es auf der Reinkarnationsleiter wieder aufwärtsgeht. Ach ja - und Casanova spielt auch noch eine Rolle.
Wer sich beim Lesen amüsieren will, ist mit diesem Buch genau richtig. Ich finde, es ist auch ein Buch für Leute, die nicht viel lesen. Es geht runter wie Schokolade oder für die Herren: Wie Bier!

Erschienen im rororo Verlag, 282 Seiten
ISBN: 978-3-499-24455-1

Dienstag, 5. Januar 2010

Die Häupter meiner Lieben - von Ingrid Noll

Eine ungewöhnliche Freundschaft zweier Mädchen, deren familiärer Hintergrund nicht unterschiedlicher sein könnte.
Verschiedene Morde geschehen - absichtlich, unabsichtlich - man bekommt den Eindruck, dass dies niemanden so richig interessiert.
Kavalierinnendelikte wie böse Mädchenstreiche sind ebenso von der Partie wie Mord und Totschlag. Eine abenteuerliche Geschichte, bei der hauptsächlich Männer die Opfer sind.
Witzig und temporeich geschrieben. Eine Erzählung aus Kindheitserinnerungen, Vergangenheitsbewältigung, Liebesaffären und Morden - es geht immer weiter. Ingrid Noll ist eine Meisterin ihres Handwerks!

Mittwoch, 18. November 2009

Kuckuckskind - von Ingrid Noll

Über Ingrid Noll kann ich nichts schlechtes sagen, sie hat noch nie ein schlechtes Buch geschrieben. Auf jeden Fall habe ich noch nie ein schlechtes Buch von ihr gelesen.
Kuckuckskind ist eine Geschichte, die von einer betrogenen, geschiedenen, kinderlosen und sicher auch ein wenig frustrierten Lehrerin erzählt wird.
Das Leben wird dann aber plötzlich ungewollt interessant: Mehrere Vaterschaftstests, ein Schwangerschaftstest, 2 Tote, eine fehlende Leiche, ein Selbstmord, ein abgeliefertes Baby, ein verdächtiger Ex-Mann, Ehemann und ein verdächtiges Lehrerkollegium.
Spannend, zusammenhängend und ganz ohne Hektik erzählt. Ein idealer Roman für die kommenden Winterabende zu Hause!

Erschienen im Diogenes Verlag, 338 Seiten, ISBN 978-3-257-06632-6

Donnerstag, 5. November 2009

Einfach losfahren - von Fabio Volo

Ein mutmachendes, wundervolles Buch das in meiner momentaner Lebenssituation genau zum richtigen Zeitpunkt kam!
Wer sich kein Leben wie ein Strassenbahnführer mit vorgegebener Strecke und genau festgelegtem Fahrplan wünscht, wird dieses Buch lieben!
Es ist die Geschichte zweier Freunde, zweier Lebenswege und zweier Lieben. Und wie so oft erst duch einen Verlust, einen starken Schicksalsschlag wird dem einen bewusst, dass er endlich leben muss um auch wirklich und ehrlich lieben zu können und das ohne die Ratschläge anderer Leute. Ohne die Traditionen, die einen manchmal ganz schön einengen können. Es ist sehr schwierig, seinen eigenen Weg zu gehen ohne beeinflusst zu werden und es ist oft mit Ängsten und Zweifel verbunden, die man überwinden muss.
Fabio Volo erzählt diese Geschichte lausbübisch und charmant zugleich, reich an starken Bildern und Gefühlen. Eine Hymne ans Leben!

Sonntag, 25. Oktober 2009

Feuchtgebiete - von Charlotte Roche

Ich habe "Feuchtgebiete" bereits vor ein paar Monaten beendet und bin mir bis heute nicht sicher, ich kann mich einfach nicht mit mir einigen, ob ich dieses Buch gut finde oder nicht.
Es war oft eklig und ich fand doch viele Dinge nicht so "normal" wie diese Helen. Was ich an dem Buch allerdings super finde ist, dass eine Frau in der heutigen Zeit, in der im Fernsehen und in den Zeitschriften immer die perfekte, vielbeschäftigte, immer jung und frisch aussehende, glückliche Frau gezeigt wird, über all die unangenehmen und als unvollkommen geltenden Dinge wie Schweiss, Kacke, Pisse, Pickel, Blut, Wunden, Depressionen, Schicksalschläge und was es da sonst noch alles gibt, schreibt. Ich finde es ein mutiges Buch, doch muss es das auch sein. Denn ohne diese "Tabuthemen" wäre die Story nicht wirklich viel wert. Es ist auch eher simpel geschrieben. Feuchtgebiete versteht wohl jeder und vielleicht ist das Buch auch darum ein Bestseller. Vielleicht auch darum, weil die Softcoverausgabe pink ist und einem in der Buchhandlung sofort ins Auge sticht.
Auf jeden Fall liest sich "Feuchtgebiete" sehr gut in einem Atemzug durch und es lohnt sich, vor allem um mir vielleicht bei meiner Entscheidung zu helfen!